Wahlkampf-Auftakt: Podiumsdiskussion an der IGS Wilhelm-Bracke

Die SchülerInnen an der IGS Wilhelm-Bracke beteiligten sich rege an der Diskussion

Zu einem ersten Aufeinandertreffen der Direktkandidaten im Wahlkreis 2 Braunschweig-Süd kam es vorgestern an der IGS Weststadt. Vor über 100 SchülerInnen der Oberstufe mussten sich die Bewerber von sechs Parteien – alles Männer – beweisen. Dabei hatten sich die SchülerInnen ein spannendes Format ausgedacht: Neben eigenen Statements am Anfang und am Ende, wurden uns Kandidaten über eine Stunde lang viele spannende und kritische Fragen gestellt, mit jeweils nur einer Minute Zeit zur Beantwortung – so dass auch viele Fragen an die Reihe kamen. Mit Hilfe von jeweils drei Jokern konnten wir zudem bei Fragen an andere Kandidaten „reingrätschen“ – was dann auch zahlreich genutzt wurde.

Neben der wichtigen Aufgabe, die SchülerInnen für die Wahlen zu begeistern, lieferte dieser erste Schlagabtausch aber v.a. eine gute Gelegenheit, meine Mitbewerber um den Wahlkreis mal in Aktion zu erleben.

Joachim Casper (FDP) war für mich bislang das einzige völlig unbeschriebene Blatt. Er fiel insbesondere damit auf, dass er an mehreren Stellen von FDP-Entscheidungen nichts wusste bzw. eigentlich anderer Meinung war (so z.B. der Ablehnung des Wahlrechts ab 16) – was ihm jedoch wiederum berechtigte Kritik aus den Reihen der SchülerInnen einhandelte (im Sinne von „Sie tun so, als wollen Sie etwas anderes, als in ihrem Wahlprogramm steht“).

Andre Patrick Fricke (Linke) schlug sich gut. Ihm merkte man die gute inhaltliche Ausbildung als Politikwissenschaftler (u.a. bei uns an der TU) und die Erfahrung als (zeitweiliger) Mitarbeiter der Linksfraktion im Landtag an. Außerdem war er als jüngster Kandidat noch relativ nah an den SchülerInnen dran. Aber selbst die werden gemerkt haben, dass einige Äußerungen von ihm doch nur platte Maximalforderungen darstellten.

Oliver Schatta (CDU) wurden (gefühlt) die meisten Fragen gestellt, insbesondere in Hinblick auf die von vielen FragestellerInnen offensichtlich als falsch angesehene Politik der Landes-(und Bundes-)regierung. So durfte er sich u.a. mit der Verteidigung der Studiengebühren rumplagen. In Bezug auf’s Wahlrecht mit 16 wollte er aber auch etwas anderes als seine Partei.

Oliver Schönemann (Piraten) bekam anfangs den meisten Applaus für seine Äußerung, er sei Politiker aus Notwehr. Dann bekam er aber kaum noch Fragen gestellt und musste schnell seine Joker verbrauchen. Mehrfach etwas kompliziert in Wortwahl und Argumentation.

Klaus-Peter Bachmann (SPD) war für mich eine positive Überraschung. Rhetorisch lange geschult, hatte der einzige Polit-Profi in der Runde einen klaren Vorteil. Er schaffte es zudem, die Distanz zu den SchülerInnen zu verringern: Mit „Meine Tochter sitzt hier zwischen Euch“ und „Ich lade die Schüler der IGS ja bereits regelmäßig zu mir in den Landtag ein“, spielte er zudem offensichtliche Heimvorteile gnadenlos aus. Er betonte aber auch mehrfach rot-grüne Gemeinsamkeiten – Merci.

Ich wurde schließlich zu Offshore-Windenergie befragt, durfte die Vorzüge unseres Urwahlverfahrens inklusive des (angeblich) fehlenden Nachwuchses an der Spitze unserer Partei beleuchten, sollte unsere Grüne Antwort auf stark steigende Spritpreise geben (natürlich mehr ÖV und mittelfristig regenerativ betriebene E-Mobilität) und bekam Applaus für unsere Positionierung zugunsten der Auflösung des Verfassungsschutzes. Besonders gut konnte ich aber mit der Atommüllproblematik (Asse und Konrad liegen halt fast in Sichtweite) und unserer Forderung nach Abschaffung von Studiengebühren (inklusive Anprangerung der Missstände bei der aktuellen Gebührenverwendung) punkten – zwei absolute Winnerthemen aus Grüner Sicht.

Fazit: Ein ordentlicher Start in den Wahlkampf, aber es ist auch noch Luft nach oben da. Ich freue mich auf die nächsten Monate.

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